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Was ist Aggression?

Aggression beim Hund wird oft gehandelt wie eine Krankheit – entweder hat sie einer oder nicht. Dabei ist Aggressionsverhalten eine völlig natürliche Facette der Kommunikation, die absolut schadlos verläuft, wenn ebendiese auch gezeigt und verstanden wird. Wenn Hund A knurrt und die Zähne zeigt und Hund B ausweicht und geht, haben wir es primär mit astreiner Kommunikation als mit Aggression zu tun.

Jeder Mensch, dessen reservierte Liege schon mal von Fremden beschlagnahmt wurde, oder unter Stress in einen Stau geriet, war schon mal aggressiv. Denn Aggression bedeutet nicht jemanden sofort umzubringen, wenn man wütend ist. Es gibt verschiedene Stufen, die bestenfalls in geordneter Reihenfolge gezeigt werden. Aggression ist also absolut natürlich und manchmal auch hilfreich, sie darf nur nicht übertrieben gezeigt werden oder zur Gefahr für die Gesellschaft werden.

Aggression dient der Schaffung zeitlicher und / oder räumlicher Distanz

Die Verhaltensbiologin Dr. Dorit Feddersen-Petersen hat mit dem Aggressionsstufenmodell eine übersichtliche Aufstellung geschaffen und erklärt damit, wo Aggression beginnt und auch, wo sie schlimmstenfalls endet. Im ersten Schritt der Verhaltenstherapie geht es darum zu erkennen, welche Aggressionsstufen der Hund zeigt und vor allem wie weit er geht.

Zusammenfassend unterscheiden wir 3 Überpunkte, nämlich Distanzdrohen ohne Körperkontakt, Drohen mit Körperkontakt und Beschädigung. Diese Hauptpunkte werden dann jeweils noch in zwei Unterpunkte unterteilt.

Beim Drohen ohne Körperkontakt sind meine Kunden oft erstaunt, dass dies schon als Aggression bezeichnet wird. Aber in der Tat gehören Anschleichen, Drohfixieren, Knurren, Zähne zeigen etc. natürlich zum ersten Schritt der Aggression – eine vorsichtige Drohung, die bei der richtigen Wahrnehmung und Reaktion des Gegenübers keiner weiteren Aktion bedarf.

Reicht Stufe 1a nicht aus oder erfordert die Lage ein bisschen mehr, wird da und dort mal gestupst, Weg abgeschnitten, leicht gerempelt oder ein Abwehrschnappen gezeigt (1b).

Zur deutlicheren Korrektur werden ab und an auch mal ein sog. Nackenstoß oder Schnauzbiss gezeigt bzw. angedeutete Dominanzgesten, wie z. B. das kurze Auflegen von Pfote oder Kopf, ausgeführt oder auch mal deutlicheres Rempeln und Abstoppen (2a).

Kurz vor der echten Beschädigung sehen wir dann noch Aggressionstufe 2b, nämlich z. B. Begrenzen durch T-Stellung, korrigierendes Aufreitverhalten, Runterdrücken auf den Boden, Festhalten der Gliedmaßen und so weiter. Hand aufs Herz: Elemente daraus sehen wir auf den Hundewiesen dieser Welt sehr häufig. Und dennoch wirkt für viele verwunderlich, dass es dann zu einer Beißerei kommt. Dabei hätten die Menschen diese Vorstufen schon locker erkennen und ihre Hunde aus den Situationen rufen können.

Wenn Verletzungen passieren, sprechen wir von Aggressionsstufe 3a bzw. 3b. In ersterer gibt es meist kleine getackerte Löcher, der betroffene Bereich ist meist nicht der Hals-/Nackenbereich. Auch wird ab und an mit dem Maul festgehalten, aber eben ohne die ernste Absicht, schwer zu verletzen bzw. zu töten, wie das bei Stufe 3b der Fall wäre.

Äußerst interessant ist die Beobachtung von Frau Dr. Feddersen-Petersen, die im Zeitraum von 6 Monaten an einem in der freien Wildbahn lebenden Wolfsrudel gemacht werden konnte. Die Statistik über die gezeigten Aggressionsformen zeigt deutlich, wie konfliktvermeidend die Caniden eigentlich leben. Und auch aus persönlicher Erfahrung kann ich sagen, dass die oft gefürchtete Stufe 3b in der Realität sehr selten vorkommt. Vielmehr werden die darunterliegenden Stufen aufgrund von viel Getöse, Gebelle und Lärm als solche interpretiert und dann wird natürlich aus Angst sofort dazwischen gegangen.

Formen der Aggression

Um Aggressionsverhalten nachhaltig und wirkungsvoll zu trainieren, gilt es im ersten Schritt immer der Ursache auf den Grund zu gehen. Nur wer das „Übel“ versteht und an der Wurzel packt, kann zielführend trainieren.

Die wichtigsten und häufigsten Formen von Aggression und ihre Merkmale erfahrt Ihr im Folgenden. Häufig kommt auch vor, dass verschiedene Formen der Aggression kombiniert gezeigt werden. So kann etwa ein Hund sehr wachsam sein und territorial aggressives Verhalten zeigen, das aber gleichzeitig von starker Unsicherheit und Aggression aus Selbstschutz geprägt ist.


Territorial motivierte Aggression

Hohes Bewusstsein für den Lebensraum bzw. das Gebiet haben, auf dem man sich gerade befindet. Potentielle Feinde / Eindringlinge sollen beeindruckt werden und fernbleiben.

Typische Kennzeichen:

  • Imponierverhalten (Rute senkrecht), Markieren
  • Schnelles frontales Zulaufen auf ein Gegenüber
  • Aufstampfen mit den Vorderbeinen
  • Rempeln und Begrenzen zum Stoppen des Gegenübers

Sexuell motivierte Aggression

Am häufigsten gegenüber gleichgeschlechtlichen Konkurrenten aber bspw. auch eine Hündin gegenüber aufdringlichen Rüden. Dem Konkurrenten soll imponiert werden bzw. er durch das gezeigte Aggressionsverhalten auf Abstand gehalten werden.

Typische Kennzeichen:

  • Starkes Imponierverhalten (Rute senkrecht), häufiges Markierverhalten
  • Sexuelle Annäherungsversuche in Begegnung mit dem anderen Geschlecht, intensives Beschnüffeln im Genitalbereich
  • Drohverhalten gegenüber gleichgeschlechtlichen „Konkurrenten“
  • Breites propellerartiges oder 8-förmiges Rutewedeln in Begegnungen mit gleichgeschlechtlichen Hunden
  • Intensives Lecken und Aufnehmen von Gerüchen auf der Wiese (Zähneklappern, Schaum bilden) 
  • Begrenzen des gleichgeschlechtlichen Gegenübers

Sozial motivierte Aggression

Hunde, für die Beziehungen  untereinander einen hohen Stellenwert haben oder sogar Besitzansprüche an ihren Menschen (oder andere Rudelmitglieder) stellen, zeigen dies oft in Aggressionsverhalten gegenüber anderen Hunden oder Menschen. Viele Hunde tun dies auch aus Fürsorge, im Glauben auf ihren Menschen oder andere Rudelmitglieder aufpassen zu müssen.

Typische Kennzeichen:

  • Verfolgen des Menschen
  • Körperkontakt halten / Anlehnen / Pfote- bzw. Kopfauflegen
  • Splitten des zu „beschützenden“ Partners
  • Begrenzen durch in den Weg stellen
  • Distanzdrohen
  • Anspringen / Korrigieren des zu „beschützenden“ Partners

Futter- / Beutemotivierte Aggression

Verteidigung von Futter (Kauartikel, Futternapf, Leckerlis in der Tasche) oder Beute (Spielzeug, Ball, Handtasche) vor anderen Hunden oder auch Menschen.

Typische Kennzeichen

  • Pfote- oder Kopfauflegen, um Besitzanspruch zu demonstrieren
  • Steif werden und Gegenüber im Bereich des Objekts fixieren
  • Vor Beute stellen
  • Scheinattacke zeigen

Angstaggression

Sozial unsichere Hunde, die eventuell auch nicht optimal sozialisiert wurden oder mehrfach schlechte Erfahrungen gemacht haben, zeigen oft „Angriff als beste Verteidigung“. Die Körpersprache gibt hier sehr oft Auskunft über die eigentliche Motivation.

Typische Kennzeichen

  • Unsichere Körperhaltung während und vor dem Aggressionsverhalten (angelegte Ohren, angelegte oder eingezogene Rute, gedrungener Körper)
  • Vor und zurück gehen
  • Nach oben gerichteter Nasenrücken beim Knurren / Bellen
  • Hohe Belltöne
  • Beendigung des Verhaltens, wenn Abstand eingenommen wird

Frustrationsaggression

Ein häufiger Grund für die sog. „Leinenaggression“. Hunde, die aus Frust z. B. nicht an einen anderen Hund ran zu kommen, um ihn abzuchecken, heftiges Gebelle und Aggressionsverhalten zeigen

Typische Kennzeichen

  • Hört auf, wenn der Hund „Erfüllung“ bekommt (z. B. zum Hund darf, um zu schnüffeln)
  • Sehr kurze Bellintervalle, großer Stress
  • Nach ausreichender Beschäftigung gemäßigter

Statusbedingte Aggression 

Wird häufig gegenüber anderen Hunden gezeigt, um den eigenen Status zu festigen bzw. aufrecht zu erhalten.

Typische Kennzeichen

  • Häufig im Zusammenhang mit Ressourcen gezeigt
  • Pfote- oder Kopfauflegen, um Besitzanspruch zu demonstrieren
  • Steif werden und Gegenüber im Bereich des Objekts fixieren
  • Vor Beute stellen
  • Scheinattacke zeigen

Konntet Ihr anhand der Erklärungen die Motivation für das aggressive Verhalten Eures Hundes herausfinden? Dann geht es jetzt ans Training. Hier erfahrt Ihr, welche Trainingsmaßnahmen für die unterschiedlichen Formen der Aggression sinnvoll sind.

Bitte beachtet, dass bei ausgeprägt aggressivem Verhalten oft das Zuziehen eines professionellen und gut ausgebildeten Hundetrainers unumgänglich ist. Gerne empfehle ich Euch eine/n gute/n Kolleg*in in Eurer Nähe!

Training bei Aggression

Training bei territorial motivierter Aggression 
Ein territorial motivierter Hund kann sich bei vermeintlicher Gefahr für das Gebiet, auf dem er sich gerade befindet, sehr wachsam und verteidigungsbereit zeigen. Diese Eigenschaft gehört zum Wesen des Hundes und kann meist nicht „wegtherapiert“ werden. Was man aber durchaus schaffen kann, ist dem Hund zu vermitteln, dass sein Mensch absolut in der Lage ist, für die Sicherung des Territoriums zu sorgen. Dazu gehören:

  • Regeln und Strukturen im Alltag einführen, dazu gehört vor allem, Entscheidungen für den Hund zu treffen  und nicht auf seine Forderungen zu reagieren. Bettelt er mit Blicken nach Eurer Aufmerksamkeit, legt den Kopf auf den Schoß, um gestreichelt zu werden, fiept oder bellt Euch an, um seinen Willen durchzusetzen, IGNORIERT ihn. Nur so lernt Euer Hund, nicht der Nabel der Welt zu sein und sich bei Entscheidungen an Euch zu orientieren und nicht immer die Fäden selbst in der Hand zu haben. Das gilt vor allem für Situationen außerhalb des Aggressionsverhaltens im Alltag (lest dazu den Beitrag „Regeln und Strukturen für harmonisches Zusammenleben“).

  • Etablierung einer festen (unstrategischen) Liegestelle (lest dazu den Beitrag „Regeln und Strukturen für harmonisches Zusammenleben“): Der Hund soll „sein“ Territorium nicht ständig überwachen dürfen. Auch wenn der Hund nur draußen Probleme macht, sollte man schon zuhause anfangen, den Hund zu begrenzen und ihm richtig vorleben, dass der Mensch für territoriale Verantwortung sorgt.

  • Übernahme territorialer Verantwortung durch den Menschen (auch draußen), um dem Hund zu vermitteln, dass man sich um Sicherheit kümmert und verantwortlich zeigt. Dazu gehören:
    • Fremde Gebiete zuerst betreten und „abchecken“, z.B. bei Verlassen der Wohnung, an Kreuzungen, am Auto etc. Der Hund muss warten (z. B. mit Sitz und Bleib) und darf erst auf Signal des Menschen folgen, wenn „die Luft rein ist“.
    • Drinnen und draußen auf Warnwuffen und Bellen reagieren, indem man kurz nachschaut, warum der Hund gebellt hat, und ihn danach ggfs. wegschickt. Wichtig: Keine voreiligen verbalen Maßregelungen an den Hund – er muss wissen, dass der Mensch sich erstmal um Sicherheit kümmert und das Abchecken übernimmt.
    • Besuch zuerst begrüßen, der Hund wartet auf seiner Liegestelle. Sollte er das noch nicht können, kann er dort vorerst angeleint werden. (Hier erfahrt Ihr, wie ein felsenfestes Bleib-Signal aufgebaut wird.)

  • Draußen kein ständiges Markieren zulassen (lest dazu den Beitrag „Regeln und Strukturen für harmonisches Zusammenleben“). Euer Hund soll nicht unterwegs schon viele Markierungen setzen, um allen potentiellen Störern klarzumachen, dass dies seine Straße ist.

  • Körperliche und vor allem geistige Auslastung des Hundes (Apportieren, Suchspiele, Reizangel etc.). Sämtliche unerwünschte Verhaltensweisen des Hundes resultieren oft aus Unterbeschäftigung und Langeweile.

  • Aufbau eines Alternativverhaltens, je nach Hund z.B. „Sitz und Bleib“, „Fuß“, „Schau“ etc.: Dieses Alternativverhalten wird zuerst in ablenkungsfreier Umgebung geübt und die Schwierigkeit sukzessive gesteigert. Erst wenn der Hund das Verhalten in diesen reizarmen Situationen verlässlich ausführt, wird es auch in Momenten verlangt, in denen der Hund unerwünschtes Verhalten zeigt.

  • Etwaige Verhaltenskorrekturen des unerwünschten Verhaltens bitte nur mithilfe eines professionellen Hundetrainers

Training bei sexuell motivierter Aggression
Sexuell motiviert aggressive Hunde dulden gleichgeschlechtliche Konkurrenten im Umfeld oft nicht oder wollen belästigende Störer auf Abstand bringen. Auch bei dieser Form der Aggression muss zuerst die Mensch-Hund-Beziehung auf Kurs gebracht werden. Denn das Privileg der Verpaarung gehört eigentlich nur den Ranghöchsten. Spielt sich ein Hund diesbezüglich aber übertrieben auf, stecken oft unklare soziale Strukturen dahinter. Denn ein Hund, der zu viele Rechte hat oder sich seiner Privilegien nicht ganz klar ist, wird immer sexuell stärker motiviert sein. Sexualität hat stark mit „Macht“ zu tun, also gilt es auch hier vorerst die entsprechenden Strukturen innerhalb der Mensch-Hund-Beziehung zu verändern. Dazu gehören:

  • Konsequentes Verhalten des Menschen im Alltag, dazu gehört vor allem, Entscheidungen für den Hund zu treffenund nicht auf seine Forderungen zu reagieren. Bettelt er mit Blicken nach Eurer Aufmerksamkeit, legt den Kopf auf den Schoß, um gestreichelt zu werden, fiept oder bellt Euch an, um seinen Willen durchzusetzen, IGNORIERT ihn. Nur so lernt Euer Hund, nicht der Nabel der Welt zu sein und sich bei Entscheidungen an Euch zu orientieren und nicht immer die Fäden selbst in der Hand zu haben. Sexuelle Motivation hat auch immer mit Macht zu tun. Ein Hund (und auch Mensch) der viele Entscheidungen treffen kann, fühlt sich schnell mal mächtig und produziert dadurch ggfs. auch mehr Testosteron. Deswegen ist die Einhaltung dieser Regel eine absolut wichtige Grundlage für das Training. Das gilt vor allem für Situationen außerhalb des Aggressionsverhaltens im Alltag (lest dazu den Beitrag „Regeln und Strukturen für harmonisches Zusammenleben“).

  • Etablierung einer festen (unstrategischen) Liegestelle (lest dazu den Beitrag „Regeln und Strukturen für harmonisches Zusammenleben“): Der Hund soll „sein“ Territorium nicht ständig überwachen dürfen. Auch wenn der Hund nur draußen Probleme macht, sollte man schon Zuhause anfangen, den Hund zu begrenzen und ihm richtig vorleben, dass der Mensch für territoriale Verantwortung sorgt.

  • Kein Markieren an der Leine zulassen (lest dazu den Beitrag „Regeln und Strukturen für harmonisches Zusammenleben“), kein übermäßiges sexuell motiviertes Verhalten, wie z.B. das Auflecken von Urin, zulassen.

  • Körperliche und vor allem geistige Auslastung des Hundes (Apportieren, Suchspiele, Reizangel etc.). Sämtliche unerwünschte Verhaltensweisen des Hundes resultieren oft aus Unterbeschäftigung und Langeweile.

  • Der Mensch entscheidet, zu welchem Artgenossen der Hund Kontakt hat und welche Kontakte auch nicht sinnvoll sind.

  • Aufbau eines Alternativverhaltens, je nach Hund z.B. „Such“, „Bring“ etc.: Dieses Alternativverhalten wird zuerst in ablenkungsfreier Umgebung geübt und die Schwierigkeit sukzessive gesteigert. Erst wenn der Hund das Verhalten in diesen reizarmen Situationen verlässlich ausführt, wird es auch in Momenten verlangt, in denen der Hund unerwünschtes Verhalten zeigt.

  • Bei übermäßiger sexueller Motivation und nach intensivem Training eventuell Kastration oder 6- bis 12-Monats-Hormonchip andenken.

  • Etwaige Verhaltenskorrekturen des unerwünschten Verhaltens bitte nur mithilfe eines professionellen Hundetrainers.

Training bei sozial motivierter Aggression
Hunde, die entweder wesens- oder erziehungsbedingt soziale Verantwortung für ihren Menschen oder andere Rudelmitglieder empfinden, können dies bei vermeintlicher Bedrohung auch durch aggressives Verhalten äußern. Natürlich gilt auch hier, durch Verhaltensänderungen im Alltag dem Hund zu vermitteln, keine Verantwortung für den Menschen übernehmen zu müssen. Hier einige Tipps dazu:

  • Konsequentes Verhalten des Menschen im Alltag, dazu gehört vor allem, Entscheidungen für den Hund zu treffen und nicht auf seine Forderungen zu reagieren. Bettelt er mit Blicken nach Eurer Aufmerksamkeit, legt den Kopf auf den Schoß, um gestreichelt zu werden, fiept oder bellt Euch an, um seinen Willen durchzusetzen, IGNORIERT ihn. Nur so lernt Euer Hund, nicht der Nabel der Welt zu sein und sich bei Entscheidungen an Euch zu orientieren und nicht immer die Fäden selbst in der Hand zu haben. Es geht ja vor allem darum, Eurem Hund zu vermitteln, dass er Euch nicht kontrollieren muss sondern ihr sehr gut für ihn sorgen könnt. Wenn Ihr Eurem Hund aber vermittelt, dass nur ein Augenaufschlag reicht, um Euch weich zu kochen, wird er Euch das nie abnehmen. Das gilt vor allem für Situationen außerhalb des Aggressionsverhaltens im Alltag (lest dazu den Beitrag „Regeln und Strukturen für harmonisches Zusammenleben“)

  • Übernahme territorialer Verantwortung durch den Menschen (auch draußen), um dem Hund zu vermitteln, dass man sich um Sicherheit kümmert und verantwortlich zeigt. Dazu gehören:
    • Fremde Gebiete zuerst betreten und „abchecken“, z.B. bei Verlassen der Wohnung, an Kreuzungen, am Auto etc. Der Hund muss warten (z. B. mit Sitz und Bleib) und darf erst auf Signal des Menschen folgen, wenn „die Luft rein ist“. 
    • Drinnen und draußen auf Warnwuffen und Bellen reagieren, indem man kurz nachschaut, warum der Hund gebellt hat, und ihn danach ggfs. wegschickt. Wichtig: Keine voreiligen verbalen Maßregelungen an den Hund – er muss wissen, dass der Mensch sich erstmal um Sicherheit kümmert und das Abchecken übernimmt.
    • Besuch zuerst begrüßen, der Hund wartet auf seiner Liegestelle. Sollte er das noch nicht können, kann er dort vorerst angeleint werden. (Hier erfahrt Ihr, wie ein felsenfestes Bleib-Signal aufgebaut wird.

  • Etablierung einer festen (unstrategischen) Liegestelle (lest dazu den Beitrag „Regeln und Strukturen für harmonisches Zusammenleben“). Der Mensch soll nicht verfolgt und „kontrolliert“ werden dürfen. Der Hund soll lernen, sich im Alltag mehr und mehr darauf zu entspannen. Anfänglich kann der Hund phasenweise auch dort angeleint werden. 

  • Kontrolle und Begrenzung des Menschen durch den Hund nicht zulassen: Der Hund soll nicht direkt vor dem Menschen stehen/sitzen oder sich auf den Fuß des Menschen setzen/die Pfote auflegen (= Kontrollverhalten, nicht zwingend Liebesbeweis), keine ständige Berührung des Hundes zulassen.

  • Körperliche Respektlosigkeiten durch den Hund vermeiden: Beim Anspringen eher einen Schritt auf den Hund zugehen als sich abwenden (siehe Beitrag „Anspringen abgewöhnen“), von Stupsern und Remplern des Hundes nicht beeindrucken lassen und nicht ausweichen. Der Hund muss lernen, vor dem Menschen auch körperlichen Respekt zu haben, um überhaupt in der Lage zu sein, auch emotionalen Respekt erreichen zu können. 

  • Körperliche und vor allem geistige Auslastung des Hundes (Apportieren, Suchspiele, Reizangel etc.) – schweißt wie Teamarbeit zusammen und gibt dem Hund Sinn und Aufgaben. Sämtliche unerwünschte Verhaltensweisen des Hundes resultieren oft aus Unterbeschäftigung und Langeweile.

  • Aufbau eines Alternativverhaltens, je nach Hund z.B. „Hinten“ (sich direkt hinter dem Menschen positionieren, um Kontrollfunktion abzugeben): Dieses Alternativverhalten wird zuerst in ablenkungsfreier Umgebung geübt und die Schwierigkeit sukzessive gesteigert. Erst wenn der Hund das Verhalten in diesen reizarmen Situationen verlässlich ausführt, wird es auch in Momenten verlangt, in denen der Hund unerwünschtes Verhalten zeigt.

  • Etwaige Verhaltenskorrekturen des unerwünschten Verhaltens bitte nur mithilfe eines professionellen Hundetrainers

Training bei Futter-/Beutemotivierter Aggression gegenüber Menschen
Ressourcenmotivierte Aggression ist oft ganz losgelöst vom sonstigen Verhalten des Hundes. Natürlich können auch Erziehungs- und Aufzuchtfehler schuld daran sein, manche Hunde entwickeln diese aber auch schon in einer sehr frühen Lebensphase bzw. bringen genetische Tendenzen dazu mit. Wie man diese in Griff bekommen kann, erfahrt Ihr hier:

  • Je nach Ressource (Spielzeug, Futter, Kauartikel) Situationen mit aggressivem Verhalten vermeiden, also kein Spielzeug frei herumliegen lassen, kein Futter frei zur Verfügung stellen, Kauartikel (wenn überhaupt) nur auf dem Liegeplatz anbieten.

  • Futter:
  • Kauartikel:
    • nur am Liegeplatz anbieten
    • Apportieren von Gegenständen aufbauen, dazu auch das Signal „Aus“ über ein Tauschgeschäft etablieren (mit unwichtigen Gegenständen beginnen) und immer gegen etwas Gleichwertiges oder Besseres tauschen
    • Apportieren vom Futterbeutel, später auch Kauartikel (anfänglich in Tuch o.Ä. eingewickelt

  • Gegenstände, wie Spielzeug:

Training bei Angstaggression
Viele Formen von Aggression sind mit Unsicherheit gepaart oder resultieren sogar aus ihr. Wichtig ist immer, die Körpersprache richtig zu lesen (siehe dazu Video zu den verschiedenen Kommunikationsformen) und ggfs. zu erkennen, ob sicheres oder unsicheres Handeln dahintersteckt. Angst oder Unsicherheiten können meist nur sehr schwer „wegtrainiert“ werden. Auch hier gilt wieder, die Beziehung zum Hund dahin gehend zu stärken, dass der Mensch die fehlende Sicherheit vermittelt und sich als „Fels in der Brandung“ positioniert. 

  • Sicherheit bieten durch Regeln und Strukturen im Alltag, dazu gehört, Entscheidungen für den Hund zu treffen, nicht auf seine Forderungen einzugehen, sondern ihn dabei zu ignorieren. Der Hund muss lernen, auch außerhalb der aggressionsauslösenden Situationen nicht viel entscheiden zu dürfen, um möglichst viel Verantwortung abgeben zu können (lest dazu den Beitrag „Regeln und Strukturen für harmonisches Zusammenleben“).

  • Wo möglich, vorerst Vermeiden von angstauslösenden Situationen: Ausweichen, in reizarme Gebiete fahren, sich als Puffer zwischen Hund und Gefahr stellen (dabei dem Hund den Rücken zukehren).

  • Aufbau eines Alternativverhaltens, je nach Hund z.B. „Such“, „Bring“, „Hinten“ (sich hinter dem Menschen positionieren): Dieses Alternativverhalten wird zuerst in ablenkungsfreier Umgebung geübt und die Schwierigkeit sukzessive gesteigert. Erst wenn der Hund das Verhalten in diesen reizarmen Situationen verlässlich ausführt, wird es auch in Momenten verlangt, in denen der Hund unerwünschtes Verhalten zeigt.

Training bei Frustrationsaggression
Frustrationsaggression zeigt sich häufig, wenn ein Hund zu oft gelernt hat, dass er selbst entscheiden kann, was er möchte: Kontakt zu anderen Hunden aufzunehmen, Ballspielen oder einfach nur Gassi zu gehen. Geht das plötzlich nicht mehr, weil der Hund z.B. angeleint ist oder der Mensch diese Möglichkeit gerade nicht erfüllen kann, kann Frust entstehen, der möglicherweise auch in aggressives Verhalten abgleitet. Nun geht es primär darum, dem Hund Beherrschbarkeit und Coolness im Alltag anzutrainieren. 

  • Regeln und Strukturen im Alltag einführen, dazu gehört, Entscheidungen für den Hund zu treffen (lest dazu den Beitrag „Regeln und Strukturen für harmonisches Zusammenleben“).

  • Konsequentes Verhalten des Menschen im Alltag (lest dazu den Beitrag „Regeln und Strukturen für harmonisches Zusammenleben“).

  • Etablierung einer festen (unstrategischen) Liegestelle (lest dazu den Beitrag „Regeln und Strukturen für harmonisches Zusammenleben“).

  • Körperliche und vor allem geistige Auslastung des Hundes (Apportieren, Suchspiele, Reizangel etc.), um ihm Aufgaben zu geben und sich selbst als Teampartner wichtiger zu machen als andere Reize

  • Steigerung der Frustrationstoleranz durch Impulskontrolltraining und viele Bleib-Übungen (lest dazu den Beitrag „Impulskontrolle“)

  • Körperliche Respektlosigkeiten durch den Hund vermeiden: Beim Anspringen eher einen Schritt auf den Hund zugehen als sich abwenden (siehe Beitrag „Anspringen abgewöhnen“), von Stupsern und Remplern des Hundes nicht beeindrucken lassen und nicht ausweichen. Futter oder Spielzeug in der Hand beim Anspringen nicht wegziehen, sondern dem Hund durch einen strengen Blick und ein körpersprachliches auf ihn Zugehen vermitteln, dass es dem Menschen gehört. Der Hund muss lernen, vor dem Menschen auch körperlichen Respekt zu haben, um überhaupt in der Lage zu sein, auch emotionalen Respekt zu erreichen.

  • „Abschalttraining“: Der Hund soll lernen, Reize auszuhalten. Dafür wird der Hund vorerst in relativ reizarmer Umgebung neben dem Besitzer angeleint, z.B. an einem Baum, an einer Parkbank etc. Der Hund wird komplett ignoriert, der Mensch beschäftigt sich nicht mit dem Hund. Erst wenn der Hund Anzeichen von Entspannung zeigt, wird der Ort kommentarlos mit dem Hund verlassen. Die Außenreize werden dabei langsam gesteigert. Das Verlassen der Situation stellt die Belohnung dar.

Training bei statusbedingter Aggression
Hier gilt es primär zu ermitteln, ob die Aggression angemessen oder dysfunktional ist. Zieht beispielsweise ein zweiter Hund bei Euch zuhause ein, wäre es völlig normal, dass Hund 1 erstmal seine Ressourcen verteidigt und sich darüber positioniert. Sollte das Verhalten total übertrieben sein, gilt es vorwiegend klare Strukturen in das Rudel zu bringen (siehe dazu Beitrag zum Thema Mehrhundehaltung). Zeigt sich die Aggression auch gegenüber Menschen – wird also beispielsweise ein Spielzeug geholt, um mit dem Menschen zu spielen, dieser aber kurz darauf angeknurrt –, geht es darum, die Struktur in der Mensch-Hund-Beziehung zu optimieren. Siehe dazu Training bei sozial motivierter Aggression.